Sonntag, 12. November 2017

[Rezension] Der Junge auf dem Berg

Der Junge auf dem Berg
Autor: John Boyne
Verlag: Fischer (24.08.2017)
ISBN-10: 3737340625
Seiten: 304
Alter: ab 12 Jahre









Paris, 1936. 
Pierrot ist sieben Jahre alt, als seine Eltern sterben. 
Seine Mutter war Französin und sein Vater Deutscher. Er diente einst als Soldat im 1.Weltkrieg und war ein großer Patriot von Deutschland. Pierrot bewunderte seinen Vater sehr.

Nach dem Tod seiner Eltern kam er zuerst in ein Waisenhaus, in dem er es nicht leicht hatte,  bis seine Tante ihn nach Deutschland holte. Sie lebte auf dem Berghof, das Landhaus von Adolf Hitler, in der Nähe von Berchtesgaden. Dort war sie Haushälterin. Sie dachte, sie könne dort Pierrot vor dem nahendem Krieg beschützen. Doch sie ahnte nicht, was für einen Einfluss Hitler auf Pierrot haben würde. 

Zu seinem eigenem Schutz sollte er sich Peter nennen und seinen besten Freund, einen Juden, auf keinen Fall erwähnen. 
Pierrot war ein sehr sensibles Kind. Man hänselte ihn, weil er so klein war. Man nahm ihm einfach seine Brote weg, ohne das er sich wehren konnte. Unter all dem litt er sehr. 
Der Junge, der durch Adolf Hitler zu Peter wurde, war herrisch und gefährlich. 
Er erschnupperte die Macht, die er mit Hitler an seiner Seite hatte und kostete sie voll aus. 
Mehr als einmal begeht er einen unverzeihlichen Verrat. 



Das Buch hat mich erschüttert. Ja, es hat sogar ein bisschen mein Weltbild erschüttert. Das ein so sensibler Junge seine Macht zum Verrat und nicht zum Beschützen nutzt, hätte ich nicht gedacht. Doch ich halte die Geschichte für authentisch. Ich kann es zwar verstehen, wie es dazu gekommen ist, aber ich kann es nicht nachvollziehen. Doch würde es solche Menschen nicht geben, hätte es vermutlich keine Nazis gegeben oder keine Spitzel in der DDR. 

Ich habe mich immer wieder gefragt, wie und wann man Peter hätte aufhalten können. Doch ich glaube, wenn sich jemand so verraten von der Welt fühlt, kann man ihn nicht überzeugen. Vielleicht ist es bei diesen Menschen die emotionale Intelligenz, die fehlt. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Vielleicht auch das Selbstvertrauen, dass man gut ist, so wie man ist, egal wie sehr man gehänselt wird. 

Ein sehr, sehr wichtiges Buch, gerade in der heutigen Zeit, wo der Rassismus wieder aufkeimt. 

Überrascht hat mich, dass es schon ab 12 Jahre freigegeben ist. Aber vielleicht ist es auch gerade in dem Alter wichtig, dieses Buch zu lesen, um zu begreifen, was für Konsequenzen sein eigenes Verhalten haben kann. 

5♥ ♥ ♥ ♥ ♥


Der Berghof wurde 1916 als Landhaus Wachenfeld für einen norddeutschen Kaufmann errichtet. Ab 1928 war das Landhaus Hitlers gemietetes Feriendomizil. Nach der Machtübernahme 1933 kaufte er es.
 Ab 1937 war der Berhof der zweite Regierungssitz.
Insgesamt verbrachte Hitler etwa ein Drittel seiner Regierungszeit auf dem Berghof, also zusammengerechnet fast vier Jahre. Internationale Diplomaten und Politiker kamen zu Verhandlungen zum Berghof.

Das Gebäude wurde kurz vor Kriegsende durch alliierte Luftangriffe schwer beschädigt. 1952 ließ der Freistaat Bayern das Gebäude sprengen. (Wikipedia)

Kommentare:

  1. Hallo Lilly,

    das ist ein interessantes Buch und es zeigt, wieviel Gewalt und Hass auch schon in Kinder schlummert, wenn die falschen Leute sich ihrer annehmen.

    Danke für die Vorstellung, man sieht mal wieder, wie auch unter Jugendbüchern tolle Literatur zu finden ist.

    LG Barbara

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    1. Hallo Barbara,

      ja, sehr erschreckend.

      Es gibt wirklich tolle Jugendbücher. Ganz anders als zu unseren Zeiten damals.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  2. Hallo Lilly,

    das Buch hatte ich jetzt auch schon mehrfach in den Händen, aber ich muss ja doch zugeben, dass ich gerade bei diesen Themen immer ein wenig in der passenden "Stimmung" sein muss, um da wirklich nicht dran zu verzweifeln. Gerade in der heutigen Zeit sind solche Geschichten wieder absolut wichtig geworden, denn diese zeigen nur allzu sehr, wo auch wir wieder landen könnten.

    Das Buch ist auf jeden Fall auf meiner Wunschliste und wird auch bestimmt noch bei mir einziehen.

    Danke dir für die Buchvorstellung.

    Liebe Grüße und hab einen schönen Sonntag,

    Silke

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    1. Liebe Silke,

      das kann ich sooo gut verstehen! Ich habe mich auch lange um das Buch rumgedrückt, bis monerl mir sagte, dass es nicht so heftig rüber kommt, weil es aus der Sicht eines Kindes geschrieben ist. Das stimmt auch auf eine Art. Doch das Verhalten von Peter in der 2. Hälfte des Buches hat mich fast noch mehr erschüttert, als das, was man eh schon über Nazi-Literatur weiß.
      Es ist zumindest nicht so dick, wie es aussieht, da die Schrift recht groß ist.

      Vielen lieben Dank und Dir noch einen schönen Abend
      Lilly

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  3. Hallo Lilly,
    ich hab das vorherige Buch des Autors gelesen, der Junge im gestreiften Pyjama, und auch das hatte eine Art, dass das Grauen so in einem wiederhallte - war gleichzeitig genial, andererseits auch irre beängstigend. Das Buch hat mich ganz lang nicht losgelassen, auch jetzt noch sind da starke Emotionen.
    Mit diesem hier stelle ich mir die Wirkung ähnlich vor.
    Es steht für nächstes Jahr auf meiner Liste.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,

      Der Junge im gestreiften Pyjama will ich auch unbedingt noch lesen.
      Sie unterscheiden sich wohl aber in dem Punkt, dass die Atmosphäre in Der Junge im gestreiften Pyjama hoch emotional sein soll, während sie hier von Kälte geprägt ist.

      Aber ich muss sagen, mir macht das Buch auch immer noch zu schaffen. Das ein Kind zu solch einem Verrat fähig ist. 😢

      Liebe Grüße
      Lilly

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    2. Beide Bücher haben aber diesen unglaublichen Schockmoment, dieses "ich komm nicht drüber hinweg, dass"

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  4. Huhu :)

    Ein ganz toller Rezension!
    Das Buch kannte ich gar nicht. Doch durch deine Rezension werde ich es mir auf jeden Fall genauer anschauen. :)

    Liebe Grüße
    Zeki

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    1. Liebe Zeki,

      vielen lieben Dank! Ich freu mich, dass ich Dich negierig machen konnte.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  5. Eine tolle Rezi, liebe Lilly.
    Man darf auch nicht die Propagandamaschinerie vergessen, die zu diesen Zeiten lief. Das ist meist wie eine Gehirnwäsche. Um sich dem zu entziehen, braucht es wohl sehr viel Selbstbewusstsein und eine gefestigte Persönlichkeit.
    Liebe Grüße, Anne

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    1. Liebe Anne,

      hast Du das Buch schon gelesen?
      Generell stimmte ich Dir zu, aber hier.... ich will nicht spoilern, falls Du es noch nicht kennst.
      Ich denke, mangelndes Selbstbewusstsein ist die Wurzel vielen Übels. Um so schlimmer, wenn solche Leute Eltern werden und auch ihren Kindern kein Selbstwertgefühl geben können.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  6. Liebe Lilly,
    freut mich, dass ich dich mit meiner Rezi anstecken und dich das auch noch begeistern konnte. Begeistern, im literarischen Sinne...
    Das Schlimme ist ja, wie toll der Autor herausgerbeitet hat, wie wenig man tun muss, um interessant zu wirken / zu sein und wie begierig Kinder nach Aufmerksamkeit sind. Sie wollen geliebt werden, am Ende ist es egal, von wem. Denn ein Kind braucht, dass Menschen sich um es kümmern und es loben und es bewundern.
    GlG vom monerl

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    1. Liebe monerl,

      ja, wobei ich mich genau da gefragt habe, wie denn die Tante zu Peter war? Ich finde, die Stelle ist nicht so gut ausgearbeitet, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass sie sich nicht mit ihm beschäftigt hat und ihn seine Liebe spüren lies.
      Ich habe es eher so interpretiert, dass Peter gar nicht gut mit den Widrigkeiten des Leben umgehen konnte. Mir schien, dass es ihn doppelt belastet hat, als anderen Kinder, dass er gehänselt wurde. Er hat ja mit 8 seine Freundin schon gefragt, ob sie nicht meint, dass man da einfach mal ordentlich zurück hauen sollte und die quälen sollte. Ich glaube, dazu braucht man schon eine bestimmte Veranlagung um so zu denken.
      Auch wie er mit dem Dienstpersonal umging. Von der Köchin hat er ja auch positive Zuwendung bekommen.
      Ich denke, es ging ihm hier schon um Macht. Sicher, um seine eigene Ohnmacht zu überwinden. Aber ich behaupte, dass man doch immer die Wahl hat und das viele Kinder sich ohnmächtig fühlen und dennoch nicht "die Seite wechseln".

      Liebe Grüße
      Lilly, die das Buch immer noch ganzs chön beschäftigt.

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    2. Liebe Lilly,

      ich habe das mit der Tante so aufgefasst, dass sie einfach zu eingespannt war mit ihrer Arbeit, um sich intensiver um Pierrot kümmern zu können. Sie und der Freund haben versucht ihm die richtigen und moralischen Werte zu vermitteln, aber er fühlte sich zu verletzt und zu einsam, um das annehmen zu können. Es hätte intensivere Bemühungen benötigt, um an ihn ranzukommen.
      Ich denke auch, dass jeder für Macht empfänglich ist. Der eine nur mehr, der andere weniger. Kinder spüren intuitiv, was wie wo geht. Und Peter hat unbewusst gemerkt, wie alle um diesen Hitler bemüht waren, von ihm beachtet werden wollten und dass er stets bekam, was er wollte. Das erschien Peter nachahmbar. Er wollte Gehör und hat gesehen, wie man es sich verschafft. Und wer es zu was bringen will, der muss nach oben schauen, nicht nach unten (zu den Dienstboten). Auf wenn die Köchin ihm wohlgesonnen war, hat ihn das nicht weiterbringen können. Daher ist für mich das "die Seite wechseln" absolut nachvolziehbar!

      GlG vom monerl,
      das verstehen kann, dass dich das Buch immer noch so sehr beschäftigt!

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    3. Liebe monerl,

      ich antowrte Dir da mal per mail. Ich will niemand hier spoilern.

      Liebe Grüße
      Lilly

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    4. Hihi, mach das mal! Ich habe auch versucht meine Worte ganz bedacht hier zu wählen... :-)

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly