Mittwoch, 21. Februar 2018

Die Macht der Geographie

Einige von Euch wissen es, das Buch, was mich nachhaltig und schwer beeindruckt hat, ist : Die Macht der Geographie.

Es hat mich so schwer beeindruckt, weil ich plötzlich Putin verstehen konnte. (Was natürlich zu unterschieden ist, von "es gut heißen". )
Ich habe endlich kapiert, warum China Tibet besetzt hält und wie der IS entstehen konnte.

Ich war bei jedem neuen Absatz erneut verblüfft, wie klar viele Sachen auf einmal werden.

Ich habe es damals, vor zwei Jahren, nicht rezensiert, aber ich hatte einige Notizen im Forum gemacht, die ich nun hier rein kopiere.
Wenn ich eh schon überzeugt habe (monerl, hihi), lest den Text unten erstmal nicht. Es ist sicher beeindruckender, wenn Du es dann gleich im Buch liest, als meine Zusammenfassung.

Ich weiß, viele von Euch lesen nicht gerne Sachbücher.
Aber dies hier ist ein Buch, welches einige Fragen beantwortet, die wir alle schon mal in den letzten Jahren, seit der Ukraine Krise und dem IS hatten.

Inhalt amazon:
Weltpolitik ist auch Geopolitik. Alle Regierungen, alle Staatschefs unterliegen den Zwängen der Geographie. Berge und Ebenen, Flüsse, Meere, Wüsten setzen ihrem Entscheidungsspielraum Grenzen. Um Geschichte und Politik zu verstehen, muss man selbstverständlich die Menschen, die Ideen, die Einstellungen kennen. Aber wenn man die Geographie nicht mit einbezieht, bekommt man kein vollständiges Bild. Zum Beispiel Russland: Von den Moskauer Großfürsten über Iwan den Schrecklichen, Peter den Großen und Stalin bis hin zu Wladimir Putin sah sich jeder russische Staatschef denselben geostrategischen Problemen ausgesetzt, egal ob im Zarismus, im Kommunismus oder im kapitalistischen Nepotismus. Die meisten Häfen frieren immer noch ein halbes Jahr zu. Nicht gut für die Marine. Die nordeuropäische Tiefebene von der Nordsee bis zum Ural ist immer noch flach. Jeder kann durchmarschieren.
Russland, China, die USA, Europa, Afrika, Lateinamerika, der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Japan und Korea, die Arktis und Grönland: In zehn Kapiteln zeigt Tim Marshall, wie die Geographie die Weltpolitik beeinflusst und beeinflusst hat.




Bisheriger Inhalt:
Zu Russland: -->
Also am Anfang erklärt er, wie ein Land zu seinen Grenzen gekommen ist. Das alle Großmächte in einem Zeitraum von 100 Jahren denken und davon ausgehen, dass in der Zeit alles passieren kann. Wer hätte vor 100 Jahren zB geglaubt, das amerikansiche Streitkräfte nur 100 km entfernt von Moskau in Polen oder dem Baltikum stationiert sind. Er schreibt, wie oft Russland vom Westen angeriffen wurde. Von Polen, Schweden, Frankreich, zweimal von Deutschland. Wenn man es von 1812 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges sieht, ca alle 33 Jahre. Er hilft einem, die ganzen politischen Handlungen von der Metaebene aus zu sehen und er gewährt einem einen Einblick in die Diplomatie. Bzw das Gegenteil davon. Man sieht, dass viele poltische Handlungen aus einer ökonomischen Notwendigkeit heraus geschehen.
Also, und das ist wirklich ganz platt gesagt, Russland ist zwar riesen groß, aber dreiviertel davon ist von Eis und Frost bedeckt. Man kann da nichts anbauen. Und es hat keinen Hafen, der das ganze Jahr über eisfrei ist. Die Ostsee wird von der Nato überwacht. Hinten am Pazifik wachen die Japaner und selbst am schwarzen Meer hat Russland keine freie Fahrt. (Womit man dann auch versteht, warum Putin und Erdogan sich wieder "befreundet" haben. Putin hat Interesse am Seeweg, Erdogan am billigen Öl). Und ein Seeweg ist nicht nur militärisch wichtig, sondern auch ökonomisch, weil Schifffrachten einfach billiger sind als Flugzeugfrachten.
Wir verurteilen das ganz schnell und übersehen dabei, dass Deutschland, Europa, die USA auch nicht aus Nächstenliebe handelt, sondern ebenfalls einzig aus strategischen Gründen.
Wir denken, wir haben doch Frieden, was denkt Putin da über militärische Aspekte nach. Aber wie oft hat die USA eben in den letzten 20 Jahren Krieg geführt?
Mir ist gestern dann schon auch bewusst geworden, wie einseitig unsere Medien doch berichten.
Ich bin ja mal gespannt, wenn ich dann zum Kapitel USA und Europa komme.

Zu China:
Tibet ist für die Chinesen so wichtig, weil a) Indien sonst Tibet besetzen könnte und somit direkt an Chinas Grenzen wäre und b) weil alle großen Flüsse in China in Tibet ihren Ursprung haben und die Chinesen auf keinen Fall das Risiko eingehen können, dass ihnen jemand (=Indien) die Wasserversorgung kappt.Nebenbei braucht China mehr Platz für seine Bevölkerung, weshalb es irgendwann in Zukunft auch nach Russland expandieren wird. (An der Grenze zu Russland wohnen 100 Millionen Einwohner (Tendenz steigend), im russischen Fernen Osten nur 7 Millionen Menschen.)
Wenn die Westler sich für Tibet stark machen, ärgert das die Chinesen nicht aus Menschenrechtsgründen. Die Chinesen sehen das aus geopolitischer Sicherheit und können dann nur folgern, dass die Westler versuchen, die chinesische Sicherheit zu unterminieren.


Afrika: Ein tragisches Kapitel, muss ich sagen.
Was ich echt heftig fand, die Entstehung der Ländergrenzen in Afrika. Die Europäer haben sich daheim in ihren Städten Karten von Afrika genommen und einfach Linien gezogen, Wörter wie Mittelkongo drauf geschrieben und gesagt, das sei jetzt ein Land. Die Linie wurden danach gezogen, wie weit zB Forscher oder Geschäftmänner vorgedrungen sind und hatten und haben absolut nichts mit der Realität der dort lebenden Völker zu tun. Da wurden nun zwei Stämme, die sich schon vorher bekriegten, in ein Land gesteckt. Daher kommen teilweise die heutigen Bürgerkriege.
Marshall schreibt, der größte Fehlschlag von einer Linienziehung ist die Demokratische Republik Kongo, die weder demokratisch noch eine Republik ist. Das Land ist größer als Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen und besteht aus über 200 ethnische Gruppen und über 100 verschiedene Sprachen. Seit Ende der 1990er Jahre sind hier über 6 Millionen Menschen umgekommen, aber kaum jemand berichtet darüber.
Der belgische König (1908-1960) hat das Land komplett ausgebeutet, aber nichts rein investiert. Und nachdem die Belgier weg waren, haben sofort die Bürgerkriege angefangen.

Ägypten war schon eine Nationalmacht, als hier in Europa noch nichts los was. Aber obwohl es strategisch günstig am Roten Meer und dem Mittelmeer liegt, konnte es zu keiner Großmacht werden, weil es keine Bäume hat. Und ein Land ohne Bäume kann keine Flotten bauen.
Und nun bahnt sich ein andere Konflikt an, der zwischen Ägypten und Äthiopien und der geht ums Wasser.

Andere Rezensionen:
Buchvogel

Kommentare:

  1. Hallo Petrissa,
    endlich endlich die Vorstellung zu diesem Buch! Da hab ich schon drauf gewartet. Und ich notiere es mir fleißig. Du weißt, dass ich auch ein Faible hab für Sachbücher :)
    Hört sich wirklich gut an und scheint einen interessanten Blick auf die Welt zu bieten!
    LG,
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,

      :))) das freut mich. Und Du wirst es nicht bereuen!
      Herzlich
      Petrissa

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    2. Das war ganz brav! Dann bin ich jetzt mal gespannt, wann DU es lesen wirst! Gib mir doch vorher mal Bescheid. Vielleicht können wir uns austauschen...?!?

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    3. *dance on the table* Das sind die Momente, in denen man weiß, warum man bloggt. :-*

      Also ich will es ja auch gerne nochmal lesen und fände das wirklich cool, wenn wir das gemeinsam machen könnten. Denn ich hatte soooo viel Redebedarf bei dem Buch.

      Liebe Grüße
      Petrissa

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    4. ... uih... tut mir leid, ich les es schon eine ganze Weile und bin nun fertig geworden :(, hab eure Antworten übersehen...

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  2. Ei Petrissa, danke für den Tipp, dass ich nicht weiter lesen soll, denn das hätte ich gemacht, da ich nach dieser Rezi schon öfters Ausschau gehalten habe! :-)

    Es tummelt sich noch ungelesen auf meinem Reader aber ich will es DIESES Jahr unbedingt lesen und freue mich schon total auf das Buch! Ich hoffe sehr, dass ich deine Begeisterung teilen werden, denn auch ich möchte gerne so viel verstehen.

    Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, im Nachhinein, nach so langer Zeit, noch eine Rezi zu schreiben! :-*

    Liebste Grüße, monerl

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    1. Liebe monerl,

      ja, es ist ja leider keine echte Rezension und ich bin mir total unsicher, wie sehr es spoilert. Muss mal Daniela und Anne sagen, wie spoilernd sie das finde.

      Aber was heißt DIESES Jahr???? Diesen Frühling! 😄

      Herzlich
      Petrissa

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    2. In diesem Fall habe ich da kein Problem mit. Wenn Du nicht so ausführich geschrieben hättest, wäre ich vielleicht nicht neugierig drauf geworden.

      Liebe Grüße, Anne

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    3. Ok, ok, ich versuche es ganz BALD zu lesen! hihi

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    4. Danke, liebe Anne.

      Hihi, monerl. Genau das wollte ich hören. :)

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    5. Hmm, kann man ein Sachbuch wirklich spoilern? Du hast ja einiges angeteasert, was sehr gut war, aber das komplette Buch kannst du ja nicht wiedergeben und das hast du auch nicht. Aber es vermittelt, was einem im Buch erwartet.

      Meine Rezi hier

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  3. Ich habs mir auch mal abgespeichert, liebe Petrissa, klingt wirklich äußerst interessant.

    Liebe Grüße, Anne

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    1. Liebe Anne,

      es wird Dir gefallen.
      HAHA, es wird Euch ALLEN gefallen. *ganz optimistisch bin*

      Herzlich
      Petrissa

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  4. Hallo Petrissa,
    ich lese ja auch keine Sachbücher. Ich weiß aber auch, dass mir dadurch einiges entgeht. Dieses Buch hört sich wirklich sehr gut an.

    Ich denke das wandert mal auf die Geschenkeliste für meinen Mann :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo Tanja,

      genau, schenk es Deinem Mann!Der kann Dir dann alles erzählen. :)

      Liebe Grüße
      Petrissa

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  5. Hallo Petrissa,

    danke für diesen tollen Buchtipp. Ich lese leider (noch) zu selten Sachbücher, interessiere mich aber unter anderem vor allem für Geographie.

    Ich habe mittlerweile einige solcher Bücher auf der Wunschliste, aber unter anderem aus finanziellen Gründen noch keines gekauft.
    Ich frage mich gerade ernsthaft, warum ich mir keines zu Weihnachten gewünscht habe. Nun ja, der nächste Geburtstag kommt bestimmt :)

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      ja, Sachbücher sind echt teuer. Klar, steckt viel Arbeit drinnen, aber ....
      Das Buch hier ist inzwischen allerdings als Taschenbuch erschienen.

      Du wirst es echt nicht bereuen.

      Sei lieb gegrüßt
      Petrissa

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  6. Das klingt ja auch spannend. Ich lese auch gerne Sachbücher und freue mich über solche Rezensionen sehr! Ich kann auch: "Wer den Wind sät" empfehlen, falls dich der Nahe Osten noch genauer interessiert, fand das auch sehr aufschlussreich, wie alles zusammenhängt in der Weltpolitik...Liebe Grüße, Kathrin von Buchsensibel

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    1. Liebe Kathrin,

      ich habe mir gerade "Die den Sturm ernten" in der Onleihe vorbestellt. Das ist ja vom gleichen Autor. "Wer den Wind sät" interessiert mich auch.
      Ich hatte kürzlich "Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren" gelesen und da stand einiges drin, wie der Westen an der Diktatur und auch an dem Hass der Perser gegen den Westen Schuld ist. Das hat mir echt ein Stück die Augen geöffnet.

      Liebe Grüße
      Petrissa

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    2. Ja, Die den Sturm ernten (und noch ein weiteres von ihm über den Iran) stehen auch noch auf meiner Liste!:)

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly