Samstag, 30. Dezember 2017

[Rezension] Neanderthal

 
 Neanderthal
Autor: Jens Lubbadeh
Verlag: Heyne< (13.11.17) *
ISBN-10: 3453318250
Seiten: 528



Deutschland 2054.
Krankheiten sind abgeschafft. Ebenso wie kleine und große genetische Mängel.
Das Erbgut wird so manipuliert, dass der Menschen gesund und schön ist.
Alles andere wird in der Gesellschaft nicht toleriert. Behinderte im weitesten Sinne, werden ausgegrenzt und als Menschen 3. Klasse betrachtet. Bringt man Behinderte in seiner Familie um, wird dieser "Ehrenmord" akzeptiert.
Jeder hat Fitnessbänder und wenn man eine entsprechend hohe Leistung bringt, kann man einen Bonus bekommen oder im umgekehrten Fall von der Krankenkasse ausgeschlossen werden.
Kommissar Nix tut sich schwer mit diesem Gesundheitswahn.

Nix stößt eines Tages auf eine Leiche, die äußerst merkwürdig aussieht. Sie ähnelt einem Neandertaler und führt die Polizei zu einer Fundstelle, in der jede Menge Knochen liegen, die alle wie Neandertaler aussehen.
Nix holt sich Unterstützung von den Paläontologen Max Stiller und Sarah Weiss.
Sie bestätigen, dass die Knochen von Neandertalern stammen, allerdings sind die Knochen keine 50 Jahre alt.

Ungewollt sind sie auf ein Staatsgeheimnis gestoßen und bald sind sie alle in großer Gefahr.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Ich habe es auf Seite 414 abgebrochen.
Ich habe mich nur noch aufgeregt über das Buch und die Rezension nun schon eine Weile vor mir hergeschoben, weil ich mich bei der Auseinandersetzung gleich wieder ärgere. Ich finde das Buch vollkommen unglaubwürdig.

1. Das Buch spielt 2054, also in 37 Jahren.
Nie im Leben verändert sich Deutschland in 37 Jahren so, dass ein Mord an Behinderten als "Ehrenmord" gilt.
Verglichen mit anderen Ländern hat Deutschland viel strengere Gentechnik-Gesetze und nun soll es an der Euthanasie des 3. Reiches ähneln? Also bitte!
Ich verstehe das Motiv. Fitnessbänder und die Überprüfung der Leistungen können in falschen Händen gegen den Menschen benutzt werden.
Hätte er es 22. Jahrhundert spielen lassen, hätte ich ihm den Teil vielleicht abgenommen, aber so nicht.

2. Russland, die Türkei und Nordkorea werden hier als die Bösen dargestellt. In diesen Ländern kann man das Erbgut nicht nur bezüglich Aussehen und Gesundheit manipulieren, sondern auch was die Intelligenz und den Charakter betrifft.
Und die USA sind die Guten? Nicht im Ernst?!
Russland, die Türkei und Nordkorea werden mehrmal negativ erwähnt. Die USA wird völlig außen vor gelassen. Im Gegenteil. Am Anfang gibt es einen Bericht aus der New York Times, in dem sich sehr kritisch über die Verhältnisse in Deutschland und die Genmanipulation geäußert wird.

Es gibt schon Genmanipulationen am Mensch in Großbritannien und den USA. Das ist offiziell.
Und es hat mich echt geärgert, dass ausgerechnet die USA als die Guten dargestellt werden. Was Russland kann, kann die USA schon dreimal.

3. Obskure Sexszenen.
Ohne jeden Zusammenhang kommen ein paar deftige Sexzenen vor. Das hatte in meinen Augen auch nichts mehr mit Erotik zu tun. Ich hatte eher das Gefühl, es muss halt mal gepoppt werden, weil der Mensch eben poppt.
Da sitzt der Komissar zB und raucht seine Shisha  und das Mundstück wird zum Nippel.
Selbst beim Verhör geht es "erotisch" zu. Genau genommen wird sexuelle Gewalt angewendet und Sarah Weiss wird davon auch noch angetörnt.

4. Alle Krankheiten sind geheilt. Außer Krebs.
Und Depressionen. Die Depressionen laufen so nebenher. (Ist ja auch keine Krankheit./ironie). Da gibt es die "normale" Depression, wo zB Nix Frau nicht mehr aufstehen und essen kann. Und es gibt die "Große Depression". Wenn jemand so depressiv ist, dass jemand nicht mehr aufstehen und essen kann, wie mag da wohl der Unterschied zur "großen" Depression sein. Wir erfahren es nicht.
Außerdem finde ich es auch hier wieder völlig unglaubwürdig, dass *alle* Krankheiten (außer Krebs, ok) geheilt werden, aber die Depression nicht?? Die heute schon sehr gut behandelbar ist?

5. Als Ursache des "Staatsgeheimnis" werden reale Gründe aus dem Jahre 2016 genannt. Unter anderem der Austritt von Großbritannien aus der EU. Nennt mich kleinlich, aber Britannien ist de facto noch nicht aus der EU ausgetreten. Tut mir leid, aber so Halbwahrheiten kann ich in einem Buch gar nicht leiden.

In anderen Rezensionen lese ich immer wieder, der Thriller sei gut recherchiert. Ich möchte echt mal wissen, was da gut recherchiert ist.
Der Autor wird als Wissenschaftsjournalist beschrieben. Aber wenn ich das Buch mit der Recherche von anderen Wissenschaftsjournalisten (zB Marc Elsberg) vergleiche, bin ich doch sehr enttäuscht.

Positiv fand ich die beiden Paläontologen. Die haben mir echt gefallen.
Aus dem Grund und weil es stellenweiße doch recht spannend war, gibt es 2 Sterne statt einen.

2 ♥ ♥

Das Neanaderthal gibt es übrigens wirklich.
Klick.

Kommentare:

  1. Hallo Lilly,
    deine Wut über das Buch ist noch immer spürbar. Ich freue mich aber trotzdem, deine Rezi zu lesen; ich empfinde deine Gedanken über das Buch als sehr wertvoll. Mir war ja am Anfang gar nicht klar, wie nah es an der Zukunft spielt und dass die Gentechnikexperimente schon 2016 ihren Anfang nehmen, inklusive der schnellen Alterung der Neanderthalkinder. Da hab ich nur gedacht "Na ja.." und sehe den wissenschaftlichen Teil als Fiktion. Und ich hoffe nur, dass wir da beide Recht haben und noch niemand tatsächlich so weit ist.
    Unser Austausch hat mich auch beeinflußt und ich habe mit deiner Kritik im Hinterkopf den Roman weit schlechter bewertet, als ich es unabhängig getan hätte :)
    Vielen Dank für die Rezi, die ich jetzt auch hier verlinkt habe.
    Gruß,
    Daniela

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    1. Spannend zu erfahren, dass deine Bewertung im Austausch mit Petrissa schlechter abgeschnitten hat. Das bestätigt meine Meinung, dass man oftmals nicht ganz frei bewerten kann, wenn man irgendwie mit dem Buch "verbandelt" ist, sei es wie hier oder ein in einer Leserunde gelesenes Buch, ein Rezensionsexemplar oder ein Buch eines Autors den man persönlich kennt oder sehr mag. :-)
      GlG, monerl

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    2. Liebe Daniela,

      ich freu mich sehr über die Worte!

      Ich weiß nicht, warum es mich so aufgeregt hat. Vielleicht gerade diese Mischung aus Realität (zB die politischen Ereignisse) und der Fiktion. Aber ich lese ja auch viele Dystopien und da erwarte ich, dass die entweder so weit in der Zukunft spielen, dass man echt keinen Schimmer hat, wie es bis dahin ist oder wenn sie in naher Zukunft spielen, es gut recherchiert ist.
      Das Unglaubwürdige fand ich auch gar nicht in erster Linie das Klonen der Neandertalter. Das hätte ich gut als Fiktion wegstecken können. Aber die politische Situation in Deutschland fand ich völlig unglaubwürdig.
      Danke fürs Verlinken! :-*

      Monerl, davon bin ich fest überzeugt. Ein Grund, warum ich nie Rezensionen von Büchern lese, die ich in absehbarer Zeit selber lesen will.
      Mir sind in der Hinsicht ein paar Dinge in diesem Jahr bei mir aufgefallen.
      Aquila von Poznankis habe ich besser bewertet, als wäre es ein mir unbekannter Autor gewesen und habe ja auch keine Rezi dazu geschrieben, weil ich Angst hatte, sie zu verletzen. 😳
      Bei einer anderen Trilogie fand ich den letzten Band Mist, nachdem ich erlebt habe, wie schlecht der Autor sich auf FB benimmt.
      Viele behaupten ja immer, sie lassen sich nicht beeinflussen. In Wahrheit lassen wir uns alle täglich hundertfach beeinflussen.
      Da finde ich es besser, dazu zu stehen, denn so kann man daran arbeiten.

      Liebste Grüße Euch beiden
      Petrissa

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  2. Liebe Petrissa,

    hey, du hast es ja doch noch heute mit einer Rezi geschafft! :D Nur schade, dass dich das Buch so wenig begeistern konnte. Deine Wut kann man beim Lesen deiner Rezension richtig spüren. Ich habe schon auf den ersten Blick gesehen, dass dieses Buch wohl nichts für mich ist, habe deine Rezi aber dennoch sehr gespannt gelesen. Tja, nun weiß ich hunderprozentig: Von diesem Buch sollte ich eindeutig die Finger lassen. ;)

    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend! Und einen guten Rutsch ins neue Jahr! :)

    Viele liebe Grüße
    Corinna

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    1. Liebe Corinna,

      ja, ich dachte, das schwere Päckchen dieser Rezension möchte ich nicht mit ins neue Jahr nehmen. Jetzt kann ich vielleicht auch wieder gelassener an die anderen Rezis gehen.

      Ja, ich glaube auch, das Buch wäre nichts für Dich gewesen, selbst wenn es gut gewesen wäre. Witzig, wie man sich so kennen lernt. :)
      Ich wünsche Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Herzlich
      Petrissa

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  3. Was für eine Rezi, liebe Petrissa, ich bin begeistert. Über ein Buch zu schwärmen, ist ja wesentlich einfacher. Ich bewundere alle, die so richtig gute "Verrisse" schreiben können.

    Liebe Grüße, Anne

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    1. Liebe Anne,

      ich danke Dir sehr. Dein Kommi hat mich total gefreut, weil ich doch Angst hatte, dass ich es zu heftig geschrieben habe.

      Herzlich
      Petrissa

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  4. Hallo Lilly,
    Neanderthal werde ich demnächst anfangen zu lesen. Ich habe bisher nur das NEANDERTHAL-PROJEKT gelesen, die Vorgeschichte (die es kostenlos für den Kindle gibt) und das fand ich schon furchtbar.
    Deine Bedenken/Anmerkungen kann ich durchaus verstehen, ich habe leider erst zu spät gesehen, dass es in der Zukunft spielt, der Aufhänger kling schon sehr interessant. Ich bin gespannt ob ich das Buch durchhalte. Danke für deine Meinung (und man merkt tatsächlich, dass du das Buch als Zeitverschwendung betrachtet hast ...aber immerhin 414 Seiten...das sind ja nur noch etwas mehr als 100 Seiten bis zum Schluss)
    Liebe Grüße und einen guten Rutsch!
    Martin

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    1. Hallo Martin,

      das Buch war ein Rezensionsexemplar, daher habe ich so lange durchgehalten. ^^ Aber als ich am Ende mich schon vor dem Lesen geärgert habe und dachte "Jetzt *muss* ich wieder lesen gehen", dachte ich: Nee!
      Ich hoffe, Du findest es besser als ich. Und wenn nicht, warte mit dem Abbrechen nicht so lange. ;) Es wird nicht besser. 😊

      Ich wünsche Dir auch einen guten Rutsch!
      Liebe Grüße
      Petrissa

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    2. Hallo Lilly/Petrissa,
      ich hab Neanderthal zu Ende gelesen.Im Großen und Ganzen muss ich dir Recht geben. Ich habe mich zwar nicht aufgeregt, aber es gab Dinge, die mich (wie dich) gestört haben und dadurch fand ich das ganze auch nicht wirklich spannend. Aber dadurch, dass es einfach geschrieben war war ich schnell durch. Verschwendete Zeit war es ja nicht, immerhin kann ich mit der Rezension meinen Blog füllen. ;)
      Im Neanderthal-Museum wären wir im letzten Jahr fast gewesen, aber es hat dann doch nicht geklappt...aber irgendwann werde ich da schon hinkommen.
      Liebe Grüße
      Martin

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    3. Hallo Martin,

      da bin ich auf Deine Rezension gespannt. Im Moment steht da, dass Deine Seite nicht aufgerufen werden kann, aber ich versuche es später nochmal.

      Liebe Grüße
      Petrissa

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    4. Hallo Petrissa,
      meine Rezi ist jetzt online (Neanderthal + Das Neanderthal-Projekt):
      http://www.beutelwolf.martin-skerhut.de/2018/01/jens-lubbadeh-neanderthal/
      Liebe Grüße
      Martin

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  5. Liebe Petrissa,

    obwohl deine Wut in der Rezesion spürbar ist, konntest du dich genug zügeln, um deine Meinung glaubhaft und ehrenhaft darlegen zu können. Ich kann all das annehmen, das du oben kritisierst. Es ist wirklich sehr schade, dass das Buch sein großes Potential nicht ausgeschöpft hat. Vom Klappentext her wäre es auch absolut ein Buch für mich gewesen.

    Ich hoffe, dass das nächste Buch dich wieder voll überzeugen kann! :-)

    GlG vom monerl

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    1. Liebe monerl,

      Deine Worte freuen mich sehr, denn ich habe echt versucht, mich zurück zu halten und keine Worte zu wählen, die verletzend sind. Obwohl mir natürlich klar ist, dass so eine Rezension trotzdem verletzt.Das tut mir auch leid. Bücher sind halt was Emotionales, für den Autor und den Leser.

      Ja, ich finde auch, dass es von der Idee her klasse ist. Ich mag ja total Dystopien und auch Wissenschafts-Romane.

      Liebe Grüße
      Petrissa

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  6. Hallo liebe Petrissa,

    oh man, das klingt ja gar nicht gut oO. Als ich deinen Inhalt gelesen habe dachte ich noch, cool, das könnte ein Buch für mich sein, aber jetzt bin ich echt ernüchtert. Manchmal muss man sich schon fragen, was sich ein Autor bei seiner Geschichte gedacht hat. Ich kann all deine Kritikpunkte absolut verstehen. Sehr schade, denn an sich haben Dystopien ja immer echt Potential.

    Ich hoffe dein nächstes Buch kann dich mehr begeistern.

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Liebe Ally,

      ja, ich fand die Idee auch vielversprechend. Viele andere Blogger haben 5 Sterne verteilt, aber ich weiß nicht, wie sie darauf kamen. 🙈
      An Dystopien habe ich dieses Jahr echt gefallen gefunden.

      Herzliche Grüße
      Petrissa

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  7. Hey Lilly,

    ohje. Auf die Rezi hatte ich ja gewartet, weil der Klappentext mich voll angesprochen hatte, aber so lasse ich dann doch lieber die Finger davon. Was du schreibst, kann ich vollkommen nachvollziehen und ich befürchte, dass das auch die Dinge gewesen wären, die mir nicht gepasst hätten.
    Danke für deine ehrlichen Worte!

    LG
    Tilly

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    1. Liebe Tilly,

      ja, echt schade.
      Ich hatte mich auch wirklich darauf gefreut.

      Herzlich
      Petrissa

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  8. Sie geben vieles inkorrekt wieder.

    1. Das Buch hat mehrere Zeitebenen. Der Hauptstrang spielt in den 2050er-Jahren, es gibt einen Flashback zur Jetztzeit (und einige Jahre darauf, also etwa bis 2021), der dritte Teil spielt Ende der 2060er-Jahre. Und es gibt einen Parallelstrang in der Urzeit.

    37 Jahre sind eine lange Zeit, Zeitgeist kann sich schnell ändern. Ein paar Beispiele: Innerhalb von sechs Jahren wurde ein demokratisches Deutschland in eine Diktatur umgebaut. Innerhalb von 12 Jahren wurden sechs Millionen Menschen ermordet, ein Weltkrieg angezettelt, in dem insgesamt 20 Millionen umkamen. Das Deutschland vor 37 Jahren war geteilt. Die DDR existierte gerade einmal 40 Jahre.

    2. In dem Strang der Jetztzeit werden Russland, die Türkei und Nordkorea so dargestellt wie in der aktuellen mehrheitlichen öffentlichen Auffassung: Als undemokratische, instabile Staaten.

    In dem Zeitstrang der 2050er-Jahre werden manche Staaten Osteuropas wie beispielsweise Bulgarien so skizziert, dass in ihnen laxere Gesetze zur Genmanipulation von Ungeborenen herrschen und die einen Tourismus von werdenden Eltern anziehen. Etwas Ähnliches gibt es übrigens heute schon: Stichwort Eizellen- Leihmutter-Tourismus.

    In dem Strang der der 2050er-Jahre haben die USA in der Fiktion eine strengere Gesetzgebung als Deutschland was Erbgutmanipulation von Ungeborenen angeht.

    Sie müssen unterscheiden zwischen Manipulation des Erbgut von Pflanzen und Tieren, vom Menschen und dann: vom Erwachsenen (somatische Gentherapie) oder vom Ungeborenen (Keimbahntherapie). Zur Zeit haben die USA laxere Gesetze, was die Manipulation von Tieren und Pflanzen und den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen betrifft. Es laufen Studien zur somatischen Gentherapie, es wird sicherlich bald Gentherapien für diverse Erbkrankheiten geben.

    Die Keimbahntherapie ist in den USA derzeit verboten. Genauso wie in Deutschland und vielen Ländern der EU. Zu Forschungszwecken wurde in den USA aber auch schon das Erbgut von menschlichen Embryonen verändert - diese wurden aber nicht zu Babys ausgetragen.

    Die USA sind stark christlich geprägt. Es ist nicht unplausibel, dass dort einmal rigidere Gesetze für die Anwendung von Gentechnik an Ungeborenen gelten könnten als Europa. In den Jahren unter George W. Bush wurde die Stammzellforschung beispielsweise stark eingeschränkt - aus ethisch-religiösen Motiven, weil zur Gewinnung von Stammzellen menschliche Embryonen benötigt werden. Präsident Obama lockerte das wieder.

    3. Jede der Szenen hat ihre Funktion. Es geht darum die Charaktere und die Welt plastischer zu machen. Kommissar Nix hat eine depressive Frau, er ist unglücklich und sexuell frustriert. Eva-Marie Mercure nutzt Sexualität, um Macht über andere zu erlangen. Die Sexszene zwischen der Wissenschaftlerin und dem Neandertaler sollte zeigen, wie weit Jocasta Weiss bereit war zu gehen, um ihr Experiment fortzuführen. Sie war zugleich der Zeugungsakt einer der wichtigsten Protagonistinnen des Buchs. Und sie verdeutlicht die Kreuzung zweier Menschenarten, so wie sie erwiesenermaßen in der Urzeit stattgefunden hat.

    4. Die fiktive deutsche Regierung in den 2050er-Jahren plant die Ausrottung großer Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Alzheimer - und auch Krebs, aber nicht aller Krankheiten, dies ist gar nicht möglich. Depression (normale) gilt nicht als Volkskrankheit, zum anderen umfasst die Gesetzgebung in der Fiktion der 2050er-Jahre verpflichtende Psychotherapie für Betroffene und deren medikamentöse Behandlung. Für die große Depression hat die Regierung kein Rezept, die Forschungen daran laufen, das ist der springende Punkt des Buchs. Man erfährt den Unterschied zur normalen Depression nicht, weil niemand darauf eine Antwort hat.

    5. Als Ursache wird die allgemeine destruktive Natur des Menschen und die Weltlage genannt, die sich im Jahr 2016 besonders düster abzeichnet: Trump, Erdogan, Krieg in Syrien, Aufkommen rechtsnationaler Strömungen in der EU. In der Fiktion tritt Großbritannien in den Jahren bis 2021 wieder in die EU ein.

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    1. Hallo Herr Lubbadeh,

      herzlichen Dank für Ihre Ausführungen zu meiner Rezension.

      Ich sehe es nicht so, das ich was inkorrekt weiter gegeben habe, sondern dass wir einfach ganz unterschiedliche Meinungen haben.

      1. Die gesellschaftliche Stimmung vor den Weltkriegen passte aber zu den Kriegen. Folgen der Weltwirtschaftskrise, Frust den ersten Krieg verloren zu haben, die günstige außenpolitische Konstellation. Wenn Sie mir sagen würden, in 40 Jahren regieren wieder die Nazis, liegt das für mich im Bereich des Möglichen.

      Aber so wie unsere Gesetze und die Stimmung des Volkes (noch wichtiger) in Deutschland heute zum Thema Erbmanipulation sind, find ich (meine persönliche Meinung, jeder kann sich eine eigne bilden) es unglaubwürdig, dass in 40 Jahren in Deutschland die in Ihrem Buch geschilderte Situation herrscht. Hier wird so viel für Inklusion getan, dass *ich* es für ausgeschlossen halte, dass es zB Ehrenmord gibt.
      Vielleicht täusche ich mich, ich will es nicht hoffen.

      Dass es Rückblicke in die Jetztzeit gibt, habe ich im anderen Punkt erwähnt. Dass ich nicht expliziet erwähnt habe, dass es mehrer Zeitebenen gibt, kann man mir vorwerfen, spielt aber für diesen Punkt der Kritik keine Rolle.

      2. Ich sag ja nicht, dass Russland, die Türkei und Nordkorea "gut" sind. Aber in meinen Augen ist die USA nicht besser.
      Ja, die USA ist scheinbar christlich. Aber handeln sie tatsächlich christlich? Zwei Golfkriege, Einmarsch in den Irak unter nach außen angegebenen falschen Gründen, immer noch riesige Rassendiskriminierung. Die Wahl eines rassistischen, sexistischen und korrupten Präsidenten....

      3. Der Sex von Jocasta Weiss und Adam war für mich völlig plausibel, den meinte ich mit meiner Kritik auch gar nicht.
      Ich schrieb ja von Nix und Eva-Marie. Tut mir leid, aber mir war beides too much und viel zu aufdringlich.

      4. Aber es müsste doch einen Unterschied in den Symptomen geben. Dass man die Ursache nicht findet, kann ich gut hinnehmen.
      Doch wenn jemand mit einer normalen Depression nicht mehr aufstehen und essen kann, wie wird das dann von der großen Depression getopt? Kinder sind auch heute schon von Depressionen betroffen und das weit mehr als noch vor 20 Jahren. Nur leider ist das selten Thema. Suizidalität gehört ebenfalls zur Depression. Wobei die Betroffenen sich meist erst dann was antun, wenn sie auf dem Weg der Besserung sind, denn wenn man stock depressiv ist, kann man sich eben nicht rühren und hat dadurch auch keine Energie, sich was anzutun.

      5. Das habe ich verstanden. Es ist nur eben defacto so, dass Großbritannien noch in der EU ist. Und da alle anderen Gründe mit der heutigen, realen Weltsituation übereinstimmten, hat mich dieser Punkt gestört.

      Es tut mir wirklich leid, dass ich Sie verletzt habe. Das habe ich auch weiter oben in dem Kommentar zu monerl geschrieben, falls Sie es nachlesen wollen.
      Ich weiß, dass jeder Autor sein Herzblut in ein Buch steckt. Bücher sind für den Autor und den Leser emotional. Und die Punkte die mir nicht gefallen, können Punkte sein, zu denen jemand anderes sagt: Hey, genau so was mag ich.

      Ich wünsche Ihnen alles Gute.
      Beste Grüße
      Petrissa Bach

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  9. Liebe Petrissa, Sie haben mich nicht verletzt, ich kann mit Kritik leben. Mir geht es einzig darum, dass Sie mir Halbwahrheiten und schlechte Recherche vorwerfen und meine Kompetenz als Wissenschaftsjournalist infrage stellen. Dies tun Sie basierend auf inkorrekter Wiedergabe von Dingen, die ich so nicht geschrieben habe.

    Ich fang mit dem Brexit an: Die Passage auf die Sie sich beziehen, spielt nicht in der Jetztzeit, sondern in der nahen Zukunft. Projekt Neanderthal startet 2016, im Buch sind fünf Jahre seitdem vergangen, wir sind also im Jahr 2021 wo Jocasta Weiss den Brexit erwähnt und bereits im Bereich der Fiktion.
    Der Brexit ist per Referendum im Jahr 2016 beschlossen worden, es ist sehr wahrscheinlich, dass er auch zum Jahr 2019 erfolgen wird. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass das nicht passiert, es ist aber nicht wahrscheinlich. In meiner Fiktion bin ich davon ausgegangen und habe angenommen, dass es einen Breentry geben wird, also dass Großbritannien beschließt, zur EU zurückzukehren. Das ist meine Fiktion, denn wir befinden uns im Jahr 2021. Wieso Sie mir hier Schlamperei vorwerfen, verstehe ich also nicht.

    Ich bewerte die (fiktiven) USA im Buch überhaupt nicht als "gut" oder "schlecht", genauso wenig wie ich im Buch das (fiktive) Deutschland so bewerte. Mir geht es nur um die Gentechnik-Gesetzgebung, die sich in beiden fiktiven zukünftigen Ländern unterscheidet. Ich schildere das aus der Sicht eines fiktiven NYT-Artikels, es sagt nichts über meine persönliche Meinung zu den USA aus. Dass Sie das so ärgert, hat glaube ich, mehr mit Ihnen persönlich zu tun als mit dem Buch.

    Es gibt einen Unterschied in den Symptomen beider Depressionen, das habe ich auch beschrieben. Die große D. ist wesentlich schwerwiegender und nicht behandelbar mit Antidepressiva. In meiner Fiktion ist die große D. bedingt durch die Genpool-Hygiene der Regierung.

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  10. Hoi,
    eine Rezension, die ich so nicht wirklich teilen kann.

    Ich fand Neaderthal doch recht gut (genauer demnächst auch in meiner eigenen Rezension) und finde manche der Punkte doch arg übertrieben....
    Primär handelt es sich hier ja um Fiktion, um die Gedankenwelt eines Autors/Buches. Ob das jetzt aus der aktuellen Position aus realistisch ist oder nicht empfinde ich eigentlich als nicht so wichtig. Ich denke eher, der Autor hat hier eine nähere Zukunft gewählt, weil die sonstige beschriebene Welt sich doch eher als "nahe Zukunft" präsentiert. Wenn ich mich auf einen Roman einlasse stören mich solche Zeitangaben eigentlich auch nicht - wir lesen ja kein Sachbuch der Form "Deutschland in 40 Jahren".
    Auch die beschriebenen Punkte 2 und 3 finde ich arg übertrieben. Beides sind doch nur sehr kleine Randerscheinungen des Romans, und haben eigentlich nur wenig Auswirkung auf das große ganze. Welches Land jetzt "gut" oder "böse" ist, ist mir auch hier wieder total egal - wir sind in einer fiktionalen Welt.
    Und ob eine Beschreibung im Stil von "das Mundstück wird zum Nippel" (wohlgemerkt im Rahmen eines Drogenrausches) jetzt schon als "obskure Sexszene" beschrieben werden kann... naja... aber vielleicht les ich auch zu oft heftigere Literatur ;)
    Allgemein finde ich, dass du dich bei der Rezession doch extrem an kleinen Details aufhältst, die man eigentlich beim Betrachten des Buches als ganzes eher vernachlässigen kann bzw. als kleines Detail behandeln kann. Die Rezension komplett an diesen Einzelpunkten aufzuhängen sehe ich als etwas unglücklich.

    Der Roman hat (in meinen Augen) definitiv ein paar Probleme (Bruch in der Mitte etc - aber das muss erstmal ausformulieren *g), aber die angesprochene Punkte von dir sehe ich eher als Kleinigkeiten mit denen man in der Handlung entweder einverstanden ist oder nicht - aber nur wenig zum großen Ganzen beitragen.

    Natürlich ist Rezension immer eine persönliche Meinung - deshalb nicht als Angriff oder so auffassen - aber man kann ja auch hier immer unterschiedlicher Meinung sein ;)

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥
Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Petrissa
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