Freitag, 12. Januar 2018

[Rezension] Olga von Bernhard Schlink

Olga
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes (12.01.18) *
 ISBN-10: 3257070152
Seiten: 320


Olga wächst im frühen 19. Jahrhundert bei ihrer Großmutter in Tilsit, Ostpreußen auf.
Sie lebt in ärmlichen Verhältnissen und ihre Großmutter ist ihr nicht sehr wohlgesonnen. Olga lernt für ihr Leben gerne, ist wissbegierig und aufgeschlossen.
Da sie als Mädchen nicht gefördert wird, bringt sie sich alles selber bei.

Ihr bester Freund Herbert dagegen wächst sehr betucht auf.
Olga verbringt ihre Kindheit mit Herbert und dessen Schwester Viktoria.
Doch als Viktoria mit 17 aus einem Mädchenpensionat zurück kommt, fängt sie an, gegen Olga zu intrigieren, da diese nicht ihrer Gesellschaftsschicht angehört.
Doch Herbert und Olga lieben sich.
Olga wird Lehrerin und Herbert zieht es hinaus in die Welt. Doch immer wenn er zurück kommt, verbringt er die meiste Zeit mit Olga.
Eigentlich soll er die Fabrik seines Vaters übernehmen, doch so lange seine Eltern Olga nicht anerkennen, ist er dem nicht gewillt.
Kurz vor dem zweiten Weltkrieg trifft er eine folgenschwere Entscheidung.

Das Buch ist in drei Teile eingeteilt.
Der erste erzählt die Geschichte von Olga und Herbert.
Der zweite Teil wird aus der Perspektive des Jungen Ferdinands (und später des Erwachsenen) erzählt, in dessen Familie Olga nach dem 2. Weltkrieg arbeitete und zu dem sie eine enge Beziehung entwickelte.
Den dritten Teil kann ich Euch nicht nennen, um nicht zu Spoilern. 


Das Buch schildert ein ganzes Jahrhundert Menschheitsgeschichte und das ganz unauffällig nebenbei. Erzählt von der Kolonialzeit und dem deutschen Völkermord an den Hereros. Dabei ist Olga immer die politisch linke Stimme. Und es kann einem manchmal schon übel werden, wenn man liest, wie die Deutschen über die Hereros dachten.

Dabei fand ich besonders beeindruckend, wie stark Olga war. Als sie keinen Förderer für die Oberschule fand, weil Mädchen schließlich eh heiraten und deswegen keine Ausbildung brauchen, brachte sie sich den ganzen Stoff selber bei, um schließlich aufs Lehrerseminar gehen zu können.
Sie ließ Herbert seine Freiheit und drängte ihn nie.
Im dritten Teil wird noch deutlicher, was sie in dieser Zeit geleistet hat.

Kolonialzeit, zwei Weltkriege, Weimarer Republik, wo sie auch politisch aktiv war. Vertreibung aus Preußen, als die Russen kamen. Später erlebt sie durch Ferdinand,
die Studentenrevolution in den 68ern.

Leider hat mir ein bisschen die Tiefe gefehlt. 
Also unterm Strich ist es schon ein sehr interessanter Roman und ich habe ihn gerne gelesen, aber ich hätte mir doch gewünscht, dass ein bisschen mehr rüber kommt, wie Olga sich in den einzelnen politischen Stadien gefühlt hat. Der Teil, wie bitter es für sie z.B. in den Kriegen war, fällt fast ganz unter den Tisch.
Oder bei dem Beispiel, dass sie Herbert nicht drängt, mit ihm zusammen zu ziehen. Man kann sich als Leser nur denken, dass sie sich das wünscht und das es für sie zur damaligen Zeit nicht einfach war, als Frau alleine zu Leben.

Im dritten Teil fügt es sich ein bisschen zusammen.

Mir selbst hat der zweite Teil mit Ferdinand am Besten gefallen, den Ferdinant erzählt auch viel von seinen Gefühlen.

4,5 ♥


Kommentare:

  1. Ich kenne von Schlink nur den "Vorleser", habe aber hier und da rausgelesen, dass wohl keines seiner folgenden Bücher an den Erfolg anknüpfen konnte. Das Thema dieses Buches klingt aber interessant.
    Die Idee mit den Überschriftsbalken finde ich gut.

    Liebe Grüße, Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anne,

      ich habe mal "Das Wochenende" von ihm gelesen und es hat mir gut gefallen. Den Vorleser kenne ich nicht, aber die Kritik habe ich auch schon oft gehört. Ich kann mir vorstellen, dass Dir das Buch hier gefallen könnte.
      Danke, wegen den Balken! Du bist die Erste, die dazu mal was sagt. :)

      Herzlich
      Petrissa

      Löschen
  2. Liebe Petrissa,
    dieses Buch steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich habe auch "Der Vorleser" gelesen und war erst zwiegespalten und dann doch noch begeistert. Ich denke, dieses Buch braucht eine gewisse Reife des Lesenden. Bei "Olga" erhoffe ich mir eigentlich das Gleiche. Ich hoffe es bald lesen zu können!
    GlG vom monerl

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe monerl,

      ich bin sehr gespannt, wie Du es finden wirst!
      Den Vorleser kenne ich nicht, aber ich habe letztes Jahr "Das Wochenende" von ihm gelesen und das hat mir sehr, sehr gut gefallen.
      Den Vorleser hatte ich zwar schon oft in der Hand, aber mich hat immer die Liebesbeziehung abgeschreckt. :D

      Liebe Grüße
      Petrissa

      Löschen

Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly